Geriatrics
Update
Vor Ort
Online

Datum
Dienstag, 18. August 2026
Uhrzeit
08:00 – 08:45 Uhr
Dauer
45 Min.
Credits
1 CME-Punkt
Sprache
Englisch
Lernziele
Understand key opportunities and risks of AI-driven tools in digital mental health care.
Anbieter
Klinik Barmelweid
Vor Ort
Online
Als Webinar auf geriatrics-update.com. Den Zugangslink erhalten Sie vorab per E-Mail oder direkt hier auf dieser Seite.
PhD Christine Jacob,
Lecturer and Health Tech Researcher, Institut für Wirtschaftsinformatik, Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW)
With 20+ years of industry experience and a PhD in healthcare technology adoption, I focus on the social, organizational, and technical factors that shape digital health uptake. I support healthcare organizations, start-ups, and pharma in developing sustainable, patient-centered digital strategies. My work bridges research and practice to turn innovation into meaningful impact for health systems and the people they serve.
Verantwortungsvoller Einsatz von KI im Bereich der psychischen Gesundheit
KI wird bereits im Bereich der psychischen Gesundheit eingesetzt, doch der verantwortungsvolle Einsatz hinkt den technologischen Möglichkeiten hinterher. Kommerzielle LLMs unterscheiden sich von zertifizierten Medizinprodukten, da ihnen trotz wahrgenommener Vorteile wie sofortigem Zugang, geringerer Stigmatisierung und Psychoedukation die klinische Validierung, Sicherheitsüberwachung, Governance und Eskalationswege fehlen.
Der klinische Nutzen übertrifft die technische Leistungsfähigkeit
Technische Leistungsfähigkeit allein belegt noch keinen klinischen Nutzen. Kliniker bewerten externe Validierung, Verzerrungen in den Trainingsdaten, die Eignung für den Arbeitsablauf, menschliche Aufsicht, Datenschutz, Einwilligung, Berichterstattung zur Gerechtigkeit und Modelldrift, insbesondere weil ältere Erwachsene in Evidenz- und Trainingsdatensätzen unterrepräsentiert sind.
Ältere Erwachsene benötigen maßgeschneiderte Schutzmaßnahmen
Ältere Erwachsene sind heterogen und benötigen altersgerechte Unterstützung, Benutzerfreundlichkeit, Unterstützung der Gesundheitskompetenz und klinische Aufsicht. Die Diskussionen konzentrieren sich auf die Überprüfung der Genauigkeit, den Datenschutz, die Eskalation in Krisensituationen, Grenzen und die Wahrung menschlichen Kontakts, insbesondere weil die selbstsichere Sprache von LLMs, die Vermenschlichung und Schmeichelei die Verletzlichkeit erhöhen können.
In der Fortbildungssitzung „Mind the Gap: Navigation durch digitale psychische Gesundheit im Zeitalter der KI“, organisiert von der Klinik Barmelweid, untersucht Dr. Christine Jacob die wachsende Rolle der KI in der psychischen Gesundheitsversorgung, mit besonderem Fokus auf ältere Erwachsene und die klinische Umsetzung in der Praxis. Sie unterscheidet zertifizierte KI-gestützte Instrumente für die psychische Gesundheit von allgemeinen Large Language Models und betont, dass Letztere zwar breit zugänglich sind, jedoch keine klinische Validierung, Sicherheitsüberwachung, Governance oder Eskalationspfade aufweisen. Dr. Jacob skizziert fünf zentrale Anwendungsbereiche von KI in der psychischen Gesundheit: Beurteilung und Screening, therapeutische Systeme, klinische Entscheidungsunterstützung, Monitoring und Phänotypisierung sowie administrative Unterstützung. Zugleich weist sie darauf hin, dass die derzeitige Evidenzbasis am stärksten für Depression und psychische Belastung, diagnostische und prädiktive Instrumente, niedrigschwellige ergänzende Unterstützung sowie Entscheidungsunterstützung ist. Ein zentrales Thema ist die Lücke zwischen technischer Leistungsfähigkeit und klinischem Nutzen, wobei sie die Bedeutung externer Validierung, Workflow-Integration, menschlicher Aufsicht, Datenschutz, Einwilligung, Berichterstattung zu Gerechtigkeit und organisatorischer Bereitschaft über vielversprechende Ergebnisse interner Validierung hinaus hervorhebt. Im Hinblick auf geriatrische Populationen betont sie die Heterogenität innerhalb der Gruppe älterer Erwachsener, die Relevanz digitaler und KI-Kompetenz, sensorischer und kognitiver Zugänglichkeit, sozialer Isolation sowie die erhöhten Risiken epistemischer Verwundbarkeit, Abhängigkeit, Gefallsucht und unzureichender Krisenerkennung, wenn kommerzielle Chatbots zur Unterstützung der psychischen Gesundheit eingesetzt werden. Dr. Jacob argumentiert, dass Klinikerinnen und Kliniker die Nutzung solcher Instrumente nicht einfach entmutigen sollten, sondern stattdessen den wahrgenommenen Nutzen und die Risiken mit Patientinnen und Patienten besprechen, Verifikations- und Kalibrierungsverhalten stärken, Datenschutz- und Offenlegungspraktiken thematisieren und Grenzen für Eskalation und Nachverfolgung definieren sollten. Insgesamt rahmt die Sitzung den verantwortungsvollen Einsatz von KI in der psychischen Gesundheit als eine soziotechnische Herausforderung, bei der Klinikerinnen und Kliniker für Diagnose, Risikobewertung, therapeutische Beziehungen, gemeinsame Entscheidungsfindung und Krisenmanagement verantwortlich bleiben und KI nur als unterstützende Ergänzung einsetzen sollten.