Geriatrics
Update
Vor Ort
Online

Datum
Dienstag, 2. Juni 2026
Uhrzeit
08:00 – 08:45 Uhr
Dauer
45 Min.
Credits
1 CME-Punkt
Sprache
Englisch
Lernziele
Distinguish selective (individual) from universal (population) prevention. Interpret Population Attributable Fraction/Potential Impact Fraction metrics.
Anbieter
Klinik Barmelweid
Vor Ort
Online
Als Webinar auf geriatrics-update.com. Den Zugangslink erhalten Sie vorab per E-Mail oder direkt hier auf dieser Seite.
MD, PhD Fellow Simone Salemme,
Neurologist, University of Modena and Reggio Emilia, Modena, Italy (IT)
Dr Salemme is a neurologist and PhD fellow in Neuroscience, specialising in cognitive neurology, dementia prevention, and public health. He is also a Consultant for the Italian National Institute of Health and a member of the Neurology Editorial Board’s Classification of Evidence team. His work bridges clinical evidence and health policy to promote equitable brain health.
Bevölkerungsbezogene Prävention ergänzt selektive Versorgung
Selektive multidomainale Interventionen zeigen bescheidene kognitive Vorteile und keine klare Verringerung der Demenzinzidenz. Bevölkerungsweite Maßnahmen, die über den gesamten Lebensverlauf hinweg unabhängig vom individuellen Risiko angewendet werden, können durch ihre breite Reichweite und kleine aggregierte Risikoverschiebungen insgesamt mehr Fälle verhindern.
Risikoprofile und Richtlinien müssen aufeinander abgestimmt sein
Italienische Überwachungsdaten schätzen, dass 39,6 % der vermeidbaren Demenzfälle auf 11 untersuchte Risikofaktoren entfallen. Die regionalen Muster der Risikofaktoren unterscheiden sich, doch kein regionaler Präventionsplan zielt gleichzeitig auf alle Faktoren ab; daher entspricht eine einheitliche Planung nicht dem epidemiologischen Präventionspotenzial.
Die routinemäßige Versorgung integriert soziale Determinanten
Die Prävention von Demenz ist in die routinemäßige Behandlung von Alterung, Multimorbidität, Funktion und Selbstständigkeit integriert. Gesundheitsfachkräfte befassen sich mit vaskulären, metabolischen, Hör-, Depressions-, sozialer Isolations- und Sehbezogenen Risiken, identifizieren strukturelle Barrieren und arbeiten über interprofessionelle Versorgungswege hinweg in der Gesundheits- und Sozialversorgung.
In der geriatrischen Seminarreihe „Bevölkerungsbezogene Demenzprävention: von der Evidenz zur Praxis“, organisiert von der Klinik Barmelweid, stellt MD, PhD Fellow Simone Salemme die Demenzprävention als primärpräventive Strategie vor, die auf die Veränderung von Risikofaktoren vor Krankheitsbeginn abzielt, und grenzt sie klar von der Sekundär- und Tertiärprävention ab. Er kontrastiert selektive Prävention, die in klinischen Settings angeboten wird, wie etwa Angebote zur Förderung der Gehirngesundheit und multidomainale Interventionen, mit bevölkerungsbezogener Prävention und betont dabei Roses Präventionsparadox, wonach kleine Risikoreduktionen in großen Bevölkerungsgruppen insgesamt mehr Fälle verhindern können als hochintensive Interventionen bei Hochrisikopersonen. Unter Bezug auf Evidenz aus Studien wie FINGER und PreDIVA stellt Dr. Salemme fest, dass selektive Ansätze zwar bescheidene kognitive Vorteile zeigen, jedoch keine klare Verringerung der Demenzinzidenz. Er argumentiert ferner, dass Demenzprävention im Rahmen eines lebensverlaufs- und gesellschaftsbezogenen Ansatzes verstanden werden muss, in dem vorgelagerte soziale und strukturelle Determinanten, Geschlechtsunterschiede sowie Ungleichheiten beim Zugang und bei Expositionen das Demenzrisiko und die Versorgungspfade prägen. Am Beispiel Italiens bespricht er Analysen nationaler und regionaler Präventionspläne und zeigt eine nur teilweise Übereinstimmung zwischen Politik und modifizierbaren Risikofaktoren, eine inkonsistente Berichterstattung zur Demenzepidemiologie sowie eine begrenzte Berücksichtigung von Faktoren wie Hörverlust, Depression und sozialer Isolation. Anschließend präsentiert er auf Surveillance-Daten basierende Schätzungen, denen zufolge 39,6 % der Demenzfälle in Italien für 11 untersuchte Risikofaktoren theoretisch vermeidbar sein könnten, und zeigt zugleich deutliche regionale Unterschiede auf, die eher für maßgeschneiderte als für einheitliche Präventionsplanung sprechen. Abschließend skizziert Dr. Salemme die aktuelle europäische Arbeit an einer harmonisierten Prävention von Demenz und Schlaganfall und kommt zu dem Schluss, dass Gesundheitsfachpersonen die Gehirngesundheit in die Routineversorgung integrieren, anerkennen sollten, dass viele Risiken sozial geprägt und nicht ausschließlich individuell veränderbar sind, und interprofessionelle, sektorübergreifende Versorgungswege für eine wirksame Reduktion des Demenzrisikos aufbauen sollten.