Geriatrics
Update
Vor Ort
Online

Datum
Dienstag, 28. April 2026
Uhrzeit
08:00 – 08:45 Uhr
Dauer
45 Min.
Credits
1 CME-Punkt
Sprache
Deutsch
Anbieter
Klinik Barmelweid
Vor Ort
Online
Als Webinar auf geriatrics-update.com. Den Zugangslink erhalten Sie vorab per E-Mail oder direkt hier auf dieser Seite.
Dr. med. Florian Riese,
Leitender Arzt, Klinik für Alterspsychiatrie, Psychiatrische Universitätsklinik Zürich
Depression im späteren Leben geht oft nicht mit Traurigkeit einher
Die diagnostischen Kriterien sind nicht altersspezifisch. Im höheren Lebensalter kann sich eine Depression ohne offensichtliche depressive Stimmung präsentieren, wobei Anhedonie und verminderter Antrieb im Vordergrund stehen. Die Schweregradeinteilung zählt Symptome statt ihrer Intensität und hat daher nur einen begrenzten klinischen Nutzen.
Das Suizidrisiko konzentriert sich bei älteren Männern
In bevölkerungsbasierten Daten sind Depressionen im späten Lebensalter und Rückfälle außerhalb stark selektierter Settings relativ selten. Die Suizidraten sind jedoch bei älteren, insbesondere sehr alten, Männern am höchsten, was diese Gruppe für die klinische Aufmerksamkeit besonders relevant macht.
Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad und erfolgt stufenweise eskalierend.
Leichte bis mittelschwere Depression erlaubt Psychotherapie und/oder Antidepressiva; schwere Depression erfordert beides. SSRI sind Mittel der ersten Wahl; Duloxetin ist eine Option im zweiten Schritt. Bei Therapieresistenz zeigt eine Augmentation – insbesondere mit Aripiprazol, dann Lithium – einen Nutzen. Antidepressiva verhindern auch Rückfälle wirksam.
Im Seminar „Altersdepression erkennen und behandeln“ erläutert Dr. med. Florian Riese vom Alterspsychiatrischen Dienst der PUK Zürich Diagnostik und Behandlung der Depression im höheren Lebensalter; die Fortbildungsveranstaltung wird von der Klinik Barmelweid organisiert. Er betont, dass es keine altersspezifischen Diagnosekriterien gibt, sodass sich die Beurteilung an den ICD-10-Kriterien orientiert, während sich klinisch relevante Altersdepression auch ohne deutlich gedrückte Stimmung präsentieren kann und stattdessen mit Anhedonie, vermindertem Antrieb und unspezifischer „Abgeflachtheit“ einhergeht. Auf Grundlage der in der Vorlesung zitierten epidemiologischen Daten erklärt er, dass Depressionen bei älteren Erwachsenen in nicht selektierten Bevölkerungsstichproben relativ selten sind, Rückfälle ebenfalls nicht besonders häufig auftreten und die häufig angenommene Zunahme mit dem Alter oder eine klare weibliche Prädominanz außerhalb stark selektierter klinischer Settings nicht konsistent bestätigt werden. Zugleich unterstreicht er die klinische Bedeutung der Störung wegen des erheblichen Leidensdrucks und des erhöhten Suizidrisikos bei älteren Männern, insbesondere im sehr hohen Alter. Zur Behandlung stellt er eine leitlinienbasierte Stratifikation nach Schweregrad vor: Psychotherapie und/oder Antidepressiva bei leichter bis mittelgradiger Depression, eine kombinierte psychotherapeutische und pharmakologische Behandlung bei schwerer Depression sowie psychosoziale Interventionen über alle Schweregrade hinweg. In der Pharmakotherapie beschreibt er SSRI – insbesondere Citalopram, Escitalopram und Sertralin – als Mittel der ersten Wahl bei älteren Erwachsenen, nennt Duloxetin als möglichen SNRI im zweiten Schritt und bespricht Strategien bei Therapieresistenz, darunter Augmentation mit Aripiprazol oder Lithium, ein Wechsel auf Nortriptylin sowie in refraktären Fällen Ketamin, rTMS oder EKT. Er weist außerdem darauf hin, dass antidepressive Effekte bereits innerhalb von Tagen und nicht erst nach zwei Wochen beginnen können, dass eine Fortsetzungstherapie zur Rückfallprophylaxe besonders wichtig ist und dass Absetzsyndrome nach dem Absetzen von Antidepressiva klinisch relevant sind und ein ausschleichendes Vorgehen erfordern.