Geriatrics
Update
Vor Ort
Online

Datum
Dienstag, 31. März 2026
Uhrzeit
08:00 – 08:45 Uhr
Dauer
45 Min.
Credits
1 CME-Punkt
Sprache
Deutsch
Lernziele
Kennen das familienfokussierte Versorgungsmodell und können dessen Nutzen und Umsetzbarkeit beschreiben.
Anbieter
Klinik Barmelweid
Vor Ort
Online
Als Webinar auf geriatrics-update.com. Den Zugangslink erhalten Sie vorab per E-Mail oder direkt hier auf dieser Seite.
Prof. Dr. Rahel Naef,
Stv. Institutsdirektorin, Professorin, Forschungsgruppenleiterin, Institut für Implementation Science in Health Care, Medizinische Fakultät, Universität Zürich & Zentrum Klinische Pflegewissenschaft, Universitätsspital Zürich
Prof. Dr. Rahel Naef ist promovierte Pflegewissenschaftlerin, Stv. Institutsdirektorin am Institut für Implementation Science in Health Care, Medizinischen Fakultät und Forschungsgruppenleiterin am Zentrum Klinische Pflegewissenschaft, Universitätsspital Zürich. Ihre Forschung untersucht pflegegeleitete Interventionen zur Verbesserung der Versorgung und Gesundheit von Familien und Angehörigen sowie die Skalierung evidenzbasierter Interventionen.
Die Unterstützung durch die Familie verbessert die Qualität der Pflege
FICUS verbessert die von Angehörigen berichtete Versorgungsqualität auf Erwachsenenintensivstationen, insbesondere die Kommunikation, die emotionale Unterstützung und die Zufriedenheit mit der gemeinsamen Entscheidungsfindung. Die Intervention zeigt keinen messbaren Effekt auf das Post-Intensive-Care-Syndrom bei Angehörigen.
Frühe, kontinuierliche, anpassungsfähige Unterstützung ist wichtig
FICUS bietet strukturierte Unterstützung für Angehörige von der Aufnahme auf die Intensivstation bis zur Nachsorge. Ein frühzeitiger Kontakt, Kontinuität entlang des Versorgungspfads und die Anpassung an die individuellen Bedürfnisse der Angehörigen kennzeichnen die Umsetzung und gehen mit einer höheren Zufriedenheit mit der Versorgung einher.
Die Implementierung hängt vom ICU-Kontext ab.
Fachkräfte im Gesundheitswesen bewerten FICUS als akzeptabel, angemessen und größtenteils umsetzbar. Die Implementierung wird durch eine interprofessionelle, familienorientierte Kultur auf der Station, eine klare Rollenverteilung sowie verfügbare Zeit- und Personalkapazitäten erleichtert; begrenzte Kapazitäten beeinträchtigen die Nachhaltigkeit.
In der Fortbildungsveranstaltung „FICUS in der Praxis: Familienfokussierte Versorgung auf Intensivstationen zwischen Evidenz und Umsetzung“, organisiert von der Klinik Barmelweid, stellt Prof. Dr. Rahel Naef das FICUS-Modell als pflegegeleitetes, interprofessionelles Versorgungsmodell für familienfokussierte Unterstützung auf Erwachsenen-Intensivstationen vor. Sie verankert das Thema in der hohen Belastung von Angehörigen kritisch kranker Patientinnen und Patienten und verweist auf das Post-Intensive-Care-Syndrom bei Angehörigen (PICS-F), das Angst, Depression, posttraumatische Stresssymptome und komplizierte Trauer umfasst. Prof. Dr. Naef beschreibt FICUS als strukturierte Intervention mit Check-in-Kontakten, unterstützenden Gesprächen und interprofessionellen Familiengesprächen, die entlang des Behandlungsverlaufs der Patientinnen und Patienten angeboten wird und sich bis in die Nachsorge nach der Entlassung aus der Intensivstation erstreckt. Sie berichtet über Ergebnisse einer hybriden Studie, die von 2021 bis 2025 auf 16 Intensivstationen durchgeführt wurde und zeigt, dass FICUS die Zufriedenheit der Angehörigen mit der Versorgung verbessert, insbesondere im Hinblick auf die Entscheidungsfindung, und deutliche positive Effekte auf die wahrgenommene Kommunikationsqualität sowie die kognitive und emotionale Unterstützung hat. Gleichzeitig hält sie fest, dass kein messbarer Effekt auf PICS-F festgestellt werden konnte, was mit den Ergebnissen vergleichbarer Studien übereinstimmt und darauf hindeutet, dass zusätzliche oder längerfristige Interventionen erforderlich sein könnten. Aus der Umsetzungsperspektive wird das Modell von Gesundheitsfachpersonen als akzeptabel, angemessen und weitgehend praktikabel eingeschätzt, während sich Barrieren vor allem auf Zeit, personelle Kapazitäten und studienbedingte Verfahrensanforderungen beziehen. Die Präsentation schließt mit dem Fazit, dass eine familienfokussierte Intensivversorgung vorteilhaft und umsetzbar ist, und Prof. Dr. Naef skizziert laufende Arbeiten zur breiteren Skalierung in der Schweiz sowie zu einem digitalen Coaching-Ansatz zur Unterstützung der künftigen Implementierung.